Reinhard Chedor
Ehemaliger LKA-Leiter und Cold Case-Experte
Reinhard Chedor zählt zu den renommiertesten Kriminalisten unseres Landes und gilt als Ausnahme-Ermittler, der auch noch Jahre nach der Pensionierung unermüdlich die Aufklärung spektakulärer Mordserien vorantreibt. Über elf Jahre lang leitete Chedor das Landeskriminalamt in Hamburg und verantwortete damit eine der bundesweit wichtigsten kriminalpolizeilichen Einrichtungen.
Polizeilaufbahn und Führungsverantwortung
Seine Polizeilaufbahn begann in verschiedenen Spezialeinheiten, wo er sich durch außergewöhnliche Fähigkeiten auszeichnete. Zunächst war er Leiter des Rauschgiftdezernats, bevor er die Führung der Abteilung Einsatz- und Ermittlungsunterstützung und in dieser Funktion auch für das MEK übernahm. In dieser Zeit leitete er polizeiliche Sonderlagen, u.a. Geisellagen, Entführungen, große Erpressungen und Bedrohungslagen. Hierunter fallen auch viele kriminalpolizeiliche Sonderlagen wie die Fahndung Thomas Holst.
Seine besonderen Schwerpunkte waren u.a. die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, konzeptionelle Bekämpfung der Beziehungsgewalt in Hamburg durch speziell geschulte Sachbearbeiter sowie die bundesweit erste Dienstelle zur Gefährdungseinschätzung besonders gefährlicher Straftäter bzw. risikobehafteter Sachverhalte. Außerdem gründete er die bundesweit erste Dienststelle operativer Opferschutz, in der besonders gefährdete Opfer (z.B. im Zeugenschutz) besonders geschützt und von qualifizierten Mitarbeitern betreut wurden.
Während seiner Zeit als LKA-Chef arbeitete Reinhard Chedor eng mit Wolfgang Sielaff zusammen, der als stellvertretender Polizeipräsident die wohl wichtigste Führungsposition der Hamburger Polizeibehörde innehatte. Diese langjährige Zusammenarbeit sollte später die Grundlage einer der spektakulärsten Cold Case-Aufklärungen der deutschen Kriminalgeschichte bilden.
Das Verschwinden von Birgit Meier: Ein persönlicher Auftrag
Reinhard Chedors größter Erfolg folgte erst nach seiner Pensionierung und war zugleich ein zutiefst persönlicher Auftrag. Als sein ehemaliger Kollege Wolfgang Sielaff ihn um Unterstützung bei der Aufklärung des Verschwindens seiner Schwester Birgit Meier bat, zögert Chedor keine Sekunde. Die 40-jährige war 1989 plötzlich spurlos verschwunden, und die Ermittlungen waren nach Jahren erfolglos eingestellt worden.
Gemeinsam mit Chedor bildete Sielaff ein privates Ermittlungsteam – das sogenannte Kernteam, welches sich dieser „kalten Spur“ annahm. Die beiden ehemaligen Spitzenkriminalisten brachten ihre jahrzehntelange Erfahrung und ihr professionelles Netzwerk ein, um einen Fall aufzuklären, der nicht nur kriminalistisch, sondern auch emotional von höchster Bedeutung war.
Das Team konzentrierte sich schnell auf Kurt-Werner Wichmann, einen Lüneburger Friedhofsgärtner, der bereits 1993 (in Untersuchungshaft) Suizid begangen hatte. Mit systematischer Recherche und innovativen Ermittlungsansätzen gelang es Chedor und Sielaff, das Bewegungsprofil von Kurt-Werner Wichmann zur Tatzeit zu rekonstruieren.
Der Durchbruch kam aber erst 2017, als die forensische Anthropologin des Teams nach längerer erfolgloser Suche Knochen von Birgit Meier – einbetoniert unter der ehemaligen Garage von Wichmann – entdeckte, nahezu 30 Jahre nach ihrem Verschwinden. Die Aufklärung war nicht nur ein kriminalistischer Erfolg, sondern brachte Wolfgang Sielaff endlich Gewissheit über das Schicksal seiner vermissten Schwester.
Mediale Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Wirkung
Die Aufklärung des Verschwindens von Birgit Meier wurde dadurch zu einem Medienereignis, das weit über die Grenzen der Fachwelt hinaus Beachtung fand. Die NDR-Dokumentation „Eiskalte Spur“ zeigt jedoch nicht nur den Ermittlungserfolg, sondern insbesondere auch die vielen Pannen und Versäumnisse, die den Fall über Jahrzehnte begleiteten. Die Fortsetzung der Reihe „Der Menschenjäger“ verdeutlicht die große Dimension der neuen Ermittlungen zu weiteren Mordserien, in denen die Opfer ebenfalls seit Jahrzehnten verschwunden sind.
Der internationale Erfolg kam dann mit der Netflix-Serie „Dig Deeper – Das Verschwinden von Birgit Meier“, die diese Ermittlungsarbeit einem weltweiten Publikum zugänglich machte. Die Serie unterstrich zugleich nicht nur die kriminalistische Leistung, sondern auch die menschliche Dimension des Falls – die Geschichte eines Bruders, der niemals aufgab, und eines Kollegen, der ihm dabei half.

Lebensaufgabe: Die Spur von Kurt-Werner Wichmann
Der Erfolg der Aufklärung des Verschwindens von Birgit Meier war für Reinhard Chedor nur der Beginn einer noch viel größeren Mission. Die Erkenntnisse über Kurt-Werner Wichmann führten zu der fast sicheren Vermutung, dass er weitaus mehr Verbrechen begangen haben müsse als zunächst angenommen. Die DNA-Analysen gaben ihm recht, denn diese belegten später Wichmanns Tatbeteiligung an den berüchtigten Göhrde-Morden im Jahr 1989.
Chedor ist fest davon überzeugt, dass Kurt-Werner Wichmann für über 80 Morde an Frauen verantwortlich sein könnte. Seine systematischen Recherchen führen quer durch Deutschland, bei denen er Cold Cases auf etwaige Verbindungen zu Wichmanns Bewegungsprofil überprüft. Dabei sammelte er in persönlichen Gesprächen mehr als 40 Hinweise zu weiteren möglichen Taten von Kurt-Werner Wichmann.
Bisherige Ermittlungserfolge
Während seiner aktiven Dienstzeit zeichnete sich Reinhard Chedor bereits durch die Aufklärung besonders schwieriger Fälle aus. Zu seinen herausragenden Ermittlungserfolgen gehörte die Fahndung des sogenannten Heidemörders Thomas Holst. Ein weiterer prägender Fall war seine jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Verschwinden der zehnjährigen Hilal aus Hamburg im Jahr 1999. Ein Mann gestand den Mord, widerrief sein Geständnis aber danach wieder – dennoch er bleibt der einzige Verdächtige im Fall des bis heute verschwundenen Mädchens.
Moderne Ermittlungsmethoden und Öffentlichkeitsarbeit
Bemerkenswert ist der Umgang von Reinhard Chedor mit den Medien, die er für Öffentlichkeitsarbeit nutzt. Er sucht die Zusammenarbeit mit Journalisten und Dokumentarfilmern, um den Ermittlungen eine Plattform zu bieten. Seine Recherchen werden dabei regelmäßig vom NDR und anderen Medien begleitet. Diese Öffentlichkeit und Transparenz hat bereits zahlreiche neue Zeuginnen und Hinweise hervorgebracht: Nach jüngsten TV-Dokumentationen meldeten sich Frauen, die sicher sind, Wichmann entkommen zu sein. So lassen sich Regionen und Orte definieren, an bzw. in denen Kurt-Werner Wichmann aktiv war.
In True-Crime-Veranstaltungen in ganz Deutschland schildert Chedor regelmäßig die Entwicklungen im Fall Birgit Meier und seine neuesten Ermittlungen zu Kurt-Werner Wichmann. Diese Events sind regelmäßig ausverkauft und zeigen das besondere öffentliche Interesse.
Gerechtigkeit kennt keine Verjährung
Heute gilt Reinhard Chedor als einer der führenden Experten, wenn es um Cold Case-Ermittlungen geht. Seine bisherigen Erfolge veranschaulichen, dass auch jahrzehntealte Fälle noch gelöst werden können. Der Aufklärung sind zwar insoweit Grenzen gesetzt, dass kein vollständiger Tatnachweis mehr gelingen kann, etwa wenn DNA-Spuren fehlen. Aber dennoch kann eine hohe Wahrscheinlichkeit auf einen Verdächtigen weisen, dass kein vernünftiger Zweifel an dessen Täterschaft verbleibt.
Der Erfolg von Reinhard Chedor bei der Aufklärung des Schicksals von Wolfgang Sielaffs Schwester steht symbolisch für die Verpflichtung, die Kriminalisten auch nach ihrer aktiven Laufbahn gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen haben. Die Aufklärung der zwei Doppelmorde in der Göhrde zeigt, wie eins zum anderen kommt und Beharrlichkeit sich im Sinne der Angehörigen auszahlt.
Dies beweist eindrucksvoll: Gerechtigkeit kennt keine Verjährung.
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