Es gibt zahlreiche ungeklärte Mordfälle (Verdachtsfälle), für die Kurt-Werner Wichmann als Täter infrage kommt. Besonders auffällig: Mordserien folgen den Regionen, in denen Kurt-Werner Wichmann sich aufhält und enden, sobald er wegzieht. Mit seinem Tod im April 1993 endet die Mordserie.

Verdachtsfälle im Kreis Lüneburg
Wohnort Kurt-Werner Wichmann (1949-1968 und ab 1978)
- ab 1949: Schillerstraße 21, Lüneburg
- ab 1950: Ginsterweg 52, Lüneburg
- ab 1952: Vrestorfer Weg 3, Bardowick
- ab 1978: Streitmoor 15, Adendorf bei Lüneburg
- Antje Stelter († 17.09.1965)
- Ilse Gerkens († 11.04.1968)
- Ulrike Burmester († 14.05.1969)
- Birgit Meier († 15.08.1989)**
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Münsterland-Mordserie
Haftzeiten von Kurt-Werner Wichmann
Kurt-Werner Wichmann war vom 13.07.1967 bis 12.01.1968 und vom 11.09.1968 bis 10.09.1969 in der Jugendstrafanstalt Hameln, wobei er regelmäßig Freigänger war. Vom 22.08.1973 bis 13.11.1974 und vom 04.12.1974 bis 03.03.1975 war er in der JVA Wolfenbüttel. Auch hier ist bekannt, dass er Freigänge hatte. Deshalb ist er als Täter der Morde an Erika Kunze und Liane Wössner nicht auszuschließen.
- Edeltraud van Boxel († 21.11.1971)
- Barbara Storm († 15./16.05.1972)
- Marlies Hemmers († 06.08.1973)
- Erika Kunze († 22.10.1974)
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Rhein-Neckar-Mordserie
Kurt-Werner Wichmann zieht 1975 in die Nähe von Karlsruhe und Heidelberg
- Kurt-Werner Wichmann wird am 03.03.1975 aus der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel entlassen und zieht zu seiner Freundin nach Linkenheim-Hochstetten nahe Karlsruhe, die er über eine Kontaktanzeige während seiner Haftzeit kennengelernt hatte (gemeldet war Wichmann hier bis 1981).
- Nur einen Monat nach seiner Haftentlassung am 03.03.1975 begann am 25.04.1975 eine neue Mordserie in Karlsruhe und Heidelberg.
Karlsruhe-Mordserie
- Liane Wössner (? 13.09.1974)
- Carmen Fuchs († 25.04.1975)
Heidelberg-Mordserie
- Monika Sorn († 13.09.1975)
- Maria Else Scholte († 30.04.1976)
- Monika Pfeifer († 11.10.1976)
- Marie Therese Majer († 28.04.1977)
- Gudrun Thomé († 21.04.1979)
- Erika Handschuh († 27.11.1980)
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Germersheim
- Andrea Lenz, Ramona Schardt († 20.07.1981)*
Stuttgart
- Anja Aichele († 27.03.1987)*
Cuxhaven-Bremerhaven-Mordserie
Kurt-Werner Wichmann zieht spätestens 1978 zurück nach Lüneburg
Vermisstenfälle (sog. „Disco-Morde“)
- Anja Beggers (? 07.10.1977)
- Angelika Kielmann (? 07.06.1978)
- Anke Streckenbach (? 16.05.1979)
- Andrea Martens (? 30.11.1980)
- Christina Bohle (? 14.08.1982)
- Uta Flemming (? 03.07.1985)
- Jutta Schneefuß (? 13.06.1986)
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Mordfälle
- Irene Warnke († 23.08.1986)
- Sonja Ady († 23.08.1987)
Doppelmorde
- Ursula Reinold, Peter Reinold († 21.05.1989), Göhrde**
- Ingrid Warmbier, Bernd-Michael Köpping († 12.07.1989), Göhrde**
- Bärbel Barnkow, Ingrid Remmers († 04./05.09.1991), Bremerhaven/Bremen
Vermisstenfall Wilhelmshaven
- Christine Groos (? 15.10.1989)
Region Hannover/Osnabrück
- Ulla Lilienthal († 23.01.1985)
- Ute Werner († 10.08.1988)
- Ulrike Herrmann († 23.10.1990)
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Legende:
? Person verschwunden (keine Leiche gefunden)
† Person tot aufgefunden
* Hinweise auf diese Fälle wurden bei Kurt-Werner Wichmann gefunden.
** Als Täter überführt durch DNA-Spuren o.ä., allerdings aufgrund seines Suizids nie verurteilt.
Deshalb gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Fragen und Antworten
Wir beantworten die wichtige Fragen zu den Ermittlungen in den Verdachtsfällen hinsichtlich Kurt-Werner Wichmann und möglicher Mittäter.
Wie werden Verdachtsfälle identifiziert?
Es ist wichtig zu verstehen, dass die hier ausgewählten Verdachtsfälle keinesfalls feststehend sind. Ermittlungen verlaufen stets dynamisch – ein Verdachtsgrad erhärtet sich oder eben nicht, dann werden diese (zumindest vorläufig) nicht weiter verfolgt. Manchmal fehlen jedoch schlicht neue Ermittlungsansätze, obwohl wir die Täterschaft von Kurt-Werner Wichmann in einem Verdachtsfall für überaus wahrscheinlich halten. Explizit sind nur solche Verdachtsfälle hier aufgeführt, wo bestimmte Tatsachen seine Täterschaft hinreichend wahrscheinlich erscheinen lassen. Diese Tatsachen versuchen wir transparent offenzulegen, was aus Gründen des Quellenschutzes oder aus ermittlungstaktischen Gründen nicht immer möglich.
Nach und nach werden neue Informationen zu jedem Verdachtsfall hinzugefügt oder bestehende überarbeitet.
Fehlt nach Ihrer Auffassung ein bestimmter Verdachtsfall, dann freuen wir uns über Ihren Hinweis!
Warum gestalten sich die Ermittlungen so schwierig?
Die Gründe hierfür sind vielfältig: es sind unterschiedliche Ermittlungsbehörden (Staatsanwaltschaften und Polizeidienststellen) für die Ermittlungen zuständig. Die Zusammenarbeit gestaltet sich dann nicht selten schwierig. Häufig hat sich die Polizei frühzeitig auf einen bestimmten Täter festgelegt, so dass ernsthafte Ermittlungen in andere Richtungen nicht mehr angestellt wurden. Die Akten wurden nicht digitalisiert, oftmals sind Akten und/oder Asservate nicht auffindbar. In nahezu allen Verdachtsfällen fehlt valide Täter-DNA, so dass eine fehlende DNA-Übereinstimmung kein Indiz gegen eine Täterschaft ist. Sofern die Frauen bis heute vermisst sind, fehlen sämtliche Spuren, die eine Aufklärung begünstigen könnten.
Für uns gestalten sich die Ermittlungen schwierig, weil wir alle nur ehrenamtlich an diesem Projekt arbeiten, von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft nicht unterstützt werden oder nicht von den Familien der Opfer mit Ermittlungen beauftragt wurden, z.B. auch weil schlicht der Kontakt nicht besteht. Deshalb die dringende Bitte, sich mit uns in Verbindung zu setzen, sofern Sie mit einem der Opfer verwandt sind.
In welchen Fällen gibt es DNA-Spuren?
Aus ermittlungstaktischen Gründen werden solche Informationen meist nicht veröffentlicht; viele Fälle sind es jedoch nicht, in denen valide Täter-DNA vorliegt. Oftmals ist unklar, ob diese vom Täter stammt, weil diese an der Kleidung gefunden wurde, wo eine Sekundärübertragung nie ausgeschlossen werden kann und selbst bei Spermaspuren unklar sein kann, ob diese aus einvernehmlichem Geschlechtsverkehr einige Stunden vor der Tat stammt. Ob ein Abgleich vorgenommen wurde und ob dieser zu einem Treffer führte, wird möglicherweise zurückgehalten, um weitere Ermittlungen (etwa nach einem Mittäter oder Gehilfen) nicht zu gefährden.
Wie kann Kurt-Werner Wichmann dann überführt werden?
Leider gar nicht. Kurt-Werner Wichmann ist bereits 1993 verstorben, so dass Ermittlungen gegen ihn nicht geführt werden (dürfen). Sämtliche Ermittlungen können sich nur gegen lebende Personen richten, also mögliche Mittäter oder Gehilfen. Deshalb wird es letztlich auch nie absolute Sicherheit geben, ob Kurt-Werner Wichmann in einem Verdachtsfall der Täter war, da seine Schuld nicht gerichtlich festgestellt werden kann.
Somit gilt die Unschuldsvermutung zu seinen Gunsten, selbst wenn DNA-Spuren seine Täterschaft überaus wahrscheinlich machen (sollten).
Welche Ermittlungen sind dann möglich?
Wir sehen unseren Beitrag als Ermittlungsinitiative darin, Hinweisgeber:innen eine vertrauliche Hinweisstelle anzubieten, die Hinweise auf Kurt-Werner Wichmann oder mögliche Mittäter bzw. Gehilfen geben wollen. Es ist hochwahrscheinlich, dass es „nur“ Begegnungen mit ihm etwa in Diskotheken gab oder fehlgeschlagene Versuche, in denen potentielle Opfer nicht ermordet wurden. Daraus erstellen wir ein Bewegungsprofil und stellen Verbindungen zwischen Hinweisen und weiteren Taten her, versuchen Ankerpunkte und mögliche Tat- oder Ablageorte bzw. neue Verdachtsfälle zu ermitteln.
Was sind ermittlungstaktische Gründe?
Zu den Verdachtsfällen werden viele bekannte Informationen nicht veröffentlicht, auch Rechtsanwälte dürfen dies nicht (§ 32f Abs. 5 StPO). Warum? Diese Informationen sind Täterwissen, d.h. dies kann nur der Täter oder der Gehilfe vom Täter wissen, was in einer Vernehmung möglicherweise der einzige Weg ist, einen (Mit-) Täter zu überführen. Oder diese Informationen sollen noch nicht veröffentlicht werden, um (Mit-) Täter nicht zu warnen, dass man ihnen in Verdachtsfällen dicht auf den Fersen ist.
Warum werden die vollen Namen der Opfer genannt?
Wir möchten den Opfern einen Namen und ein Gesicht geben, um zur bestmöglichen Aufklärung der unaufgeklärten Mordfälle beizutragen und auch die Erinnerung an sie wachzuhalten. Wir sind sehr bemüht, durch unsere Berichterstattung nicht zu retraumatisieren oder die Gefühle der Angehörigen zu verletzen. Dennoch meinen wir, dass das öffentliche Interesse an der Aufklärung der Mordserie von Kurt-Werner Wichmann überwiegt, da sich erst jetzt das ganze Ausmaß seiner möglichen Taten zeigt.
Keinesfalls wollen wir die Persönlichkeitsrechte der noch lebenden Angehörigen verletzten. Sollten Sie als Angehörige/r die volle Namensnennung oder Bebilderung nicht wünschen, melden Sie sich bitte kurz bei uns per E-Mail oder unsere Kontaktseite. Wir werden Ihrem Wunsch dann selbstverständlich unkompliziert und umgehend nachkommen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!