Doppelmord an Andrea Lenz und Ramona Schardt

Der Doppelmord Andrea Lenz und Ramona Schardt ist ein Cold Case der Rhein-Neckar-Mordserie. Am 20.07.1981 wurden die Mädchen aus dem südpfälzischen Zeiskam in einem Gebüsch bei Bellheim grausam ermordet aufgefunden, nachdem sie in der Nacht zuvor die bekannte Diskothek „Europa“ in Offenbach an der Queich besucht hatten.

Tatablauf und Auffindesituation

Andrea Lenz (17 Jahre) und Ramona Schardt (14 Jahre) waren auf dem Heimweg von der Diskothek „Europa“, als sie von dem oder den Tätern aufgelesen wurden. Beide waren mit Faustschlägen traktiert und auch gewürgt worden. Ramona wies Stichverletzungen im Brustbereich und am Gesäß auf und wurde mit ihrem Halstuch erdrosselt. Andrea hatte Messerstiche im Rückenbereich. Als Tatwaffe diente ein Taschen- oder Küchenmesser. Die Gesichter der Mädchen waren zudem mit Steinen zertrümmert. Es gab keinerlei Hinweise auf ein Sexualdelikt, dennoch waren diese teilweise entblößt an einem Weg abgelegt worden. Sicher ist, dass der Fundort bei Bellheim zwischen Landau und Germersheim nicht der Tatort war, da dort kaum Tatspuren gefunden wurden.

Die Polizei fand im Auto eines Verdächtigen Blutspuren beider Opfer. Maurermeisters K., der sich als „Hellseher“ intensiv mit diesem Fall beschäftigt und sich selbst bei der Polizei gemeldet hatte, wurde daraufhin festgenommen und schließlich angeklagt. Der Maurermeister war zunächst verurteilt, später allerdings freigesprochen worden. Hatte er sein Auto möglicherweise an den unbekannten Täter verliehen?

Es gab zeitweise Verwirrung um die Aussage von Zeugen bezüglich des Autos, in das die Mädchen einstiegen (VW Passat vs. blauer Mercedes). Rätsel gab auch ein weißer Mokassin auf, nach dem die Polizei vorerst vergebens suchte und dann zwei Tage später nachträglich am Fundort deponiert wurde. Der Doppelmord blieb jahrzehntelang ungeklärt, bis Kurt-Werner Wichmann als möglicher Täter in den Fokus rückte.

Epizentrum der Rhein-Neckar-Mordserie

In der Rhein-Neckar-Mordserie gibt es mehrere Teile, u.a. in Karlsruhe, Heidelberg und Stuttgart, die wohl als eine große Tatserie angesehen werden muss, wobei die Zuordnung einzelner Morde schwerfällt, will man nicht für alle ungeklärten Taten Wichmann verdächtigen. Für den Doppelmord an Andrea Lenz und Ramona Schardt gibt es jedoch sehr gute Gründe für den Tatverdacht gegen Kurt-Werner Wichmann, nicht nur weil es ein Disco-Mord bzw. ein Mord an Anhalterinnen war.

Tatverdacht gegen Kurt-Werner Wichmann

Bei Kurt-Werner Wichmann fand man mehrere eigene Aufzeichnungen auf Video von „Aktenzeichen XY“ – auch die Folge 150 vom 29.10.1982 mit den Anhalterinnenmorden an Andrea Lenz und Ramona Schardt

Mannheim-Doppelmord an Andrea Lenz und Ramona Schardt am 20.07.1981
Andrea Lenz und Ramona Schardt († 20.07.1981) aus „Aktenzeichen XY ungelöst“ (ZDF)

Dies gilt als das stärkste Indiz für den Tatverdacht gegen Kurt-Werner Wichmann, da diese Aufnahme auf ein persönliches Interesse an dem Verbrechen und ersten Hinweisen hierzu hindeutet. Neben dieser Aufzeichnung wurden auch Videoaufzeichnungen der Göhrde-Morde und dem Vermisstenfall Birgit Meier gefunden, fünf Mordfälle, für die seine Täterschaft heute durch DNA-Spuren als überwiegend gesichert gilt.

Kurt-Werner Wichmann ist nach seiner Haftentlassung am 03.03.1975, er hatte eine Strafe wegen Vergewaltigung und versuchten Totschlags verbüßt, nach Linkenheim-Hochstetten nahe Karlsruhe gezogen. Der Mord an Andrea Lenz und Ramona Schardt ereignete sich keine halbe Stunde von Linkenheim-Hochstetten entfernt (12 km Luftlinie).

Eine Besonderheit dieses Falles ist das fehlende Tatmotiv: es war keine Raubtat, kein Sexualdelikt, keine Beziehungstat, somit nichts, was den Mord und die krasse Gewaltausübung rational erklären könnte. Genau dieses Muster ist in seinen Verdachtsfällen regelmäßig zu beobachten. Und auch dieses Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei, nachträglich den fehlenden Schuh am Tatort zu deponieren, sind von ihm bekannt und auch, dass er die Leichen gezielt vom Tatort entfernt ablegt, um seine Spuren zu verwischen. Bemerkenswert ist, dass auch dieser Fundort in der Gegend als Autotreff für Liebespaare und Autodates bekannt war.


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