Die 16-jährige Schülerin Sonja Ady wurde am 23.08.1987 ermordet an einem Feldweg zwischen Ebersdorf und Alfstedt („Steffens Hörn“) gefunden. Ihr Körper war vollständig entkleidet, gefesselt und wies mehr als 60 Messerstiche auf. Der Mord ist bis heute unaufgeklärt, weil der damals Hauptverdächtige Michael B. freigesprochen wurde und für die Tatzeit ein Alibi hatte. Als Sonja zuletzt gegen 1:45 Uhr von einem ihr gut bekannten Taxifahrer auf dem Parkplatz der Diskothek „ta töff“ in Bremervörde gesehen wurde, war Michael B. bereits gefahren.
Tatablauf und Auffindesituation
Sonja Ady besuchte am Abend des 22.08.1987 die Diskothek „ta töff“. Dort traf sie auch Michael B., mit dem sie nach seiner Aussage kurz vor Mitternacht im Auto Geschlechtsverkehr hatte. Beide kannten sich und hatten schon früher sexuell verkehrt. Gegen 1:45 Uhr wurde Sonja Ady dann von einem Taxifahrer gesehen, der sie bereits seit Jahren kannte und auch einige Male nach Hause gefahren hatte. Sie ging gerade mit zwei unbekannten Männern in Richtung der geparkten Autos, blieb am Taxi noch stehen und unterhielt sich kurz mit dem Taxifahrer, der aufgrund eines neuen Fahrgastes nicht mehr sehen konnte, zu welchem Auto sie gingen. Zuvor hatte sie einer Bekannten erzählt, dass sie nun zu einer Feier fahren wolle.
Ihre Leiche wurde am 23. August morgens entdeckt, ca. 10 km von der Disco entfernt auf einem Feldweg in der Nähe von Ebersdorf und Alfstedt. Ihre Kleidung war unversehrt, also nicht von dem Messer durchstochen, dafür aber in der Nähe des Tatorts verstreut. Bei der Leiche wurde ein Stück des Messers gefunden, das aufgrund der Wucht abgebrochen sein dürfte. Außerdem wurde am Tatort eine karierte Socke („Burlington“) gefunden, die der Täter mitgebracht haben muss.

Es ergeben sich einige Parallelen zum Mordfall Irene Warnke:
- beide Ermordete sind junge Schülerinnen
- beide wurden am 23. August ermordet (1986 und 1987)
- beide Tatorte liegen weniger als 20 km auseinander
- beide waren zuvor in Diskotheken
Freispruch des damals Hauptverdächtigen
Der Hauptverdächtige, Michael B., wurde angeklagt, aber vom Landgericht Stade und Landgericht Verden jeweils freigesprochen. Er gab zu, Sonja Ady in der Tatnacht getroffen und mit ihr im Auto Geschlechtsverkehr gehabt zu haben – ließ sich dabei von einer Freundin (seinem Alibi) nach Hause begleiten. Mehrere Zeugen wollten Sonja Ady nach dem von Michael B. geschilderten Zeitpunkt noch gesehen haben, was die Gerichtsmedizin mit der möglichen Tatzeit bestätigte. DNA-Spuren auf der Fesselung ließen sich mit einer Sekundärübertragung erklären, die die Gutachter von Minute 1 an für am wahrscheinlichsten hielten.
Tatverdacht gegen Kurt-Werner Wichmann
Lange hielt man Michael B. für den Täter, der aber zweimal vor Gericht freigesprochen wurde. Er hatte ein Alibi und kein Tatmotiv.

Kurt-Werner Wichmann steht allerdings im Verdacht, eine ganze Serie solcher Morde begangen zu haben, insbesondere an jungen Frauen im Umfeld von Disco- oder Kneipenbesuchen, zumeist als Anhalterinnen. Auch wenn Sonja Ady im Gegensatz zu Irene Warnke geografisch nicht mehr im Cuxland ermordet wurde, liegt der Tatort weniger als 20 km davon entfernt. Eine solche Ortsverlagerung ist jedoch ein bekanntes Muster in anderen Verdachtsfällen gegen Kurt-Werner Wichmann, wo die Opfer jeweils knapp hinter eine Landes- oder Zuständigkeitsgrenze verbracht wurden, wahrscheinlich um die Ermittlungen zu erschweren.
Für den Tatverdacht gegen Kurt-Werner Wichmann spricht auch
- seine nachgewiesene Vorliebe für sadistische Gewalt,
- seine Nähe zu Tatorten und die regionale Überschneidung,
- das wiederkehrende Muster, Mädchen nach Disco-Besuchen bzw. als Anhalterinnen mitzunehmen,
- seine Opfer nicht zu vergewaltigen,
- dass einige Taten trotz dringendem Tatverdacht gegen andere Täter dennoch weiter ungelöst blieben, aber in sein Serienmuster passen oder möglicherweise unschuldige Tatverdächtige verurteilt wurden (möglicherweise im Fall Swantje Starke, ebenfalls am 23. August in diesem Gebiet mit zahlreichen Messerstichen ermordet).
Der 23. August als Tatdatum
Dass der 23. bzw. 24. August offenbar eine besondere Bedeutung für Kurt-Werner Wichmann hatte, zeigte ein Ausriss dieses Tages von der Hamburger Morgenpost unbekannten Jahres, der in dem Ford Probe gefunden wurden.
Ein solches – jedenfalls scheinbares – Muster ist für Kurt-Werner Wichmann keinesfalls ungewöhnlich, auch die ersten vier Mordopfer einer Serie beginnen mit demselben Anfangsbuchstaben (Heidelberg: M und Cuxhaven: A). Oder ist dies nur ein Zufall? Das ist bis heute ungeklärt.
Die beiden unbekannten Männer
Sonja Ady wurde auf dem Parkplatz und auch schon vorher am Abend im „ta töff“ mit dort unbekannten Männern beobachtet. Bis heute ist unklar, wer diese Männer waren. Einer soll 19-21 Jahre alt, ca. 180 cm groß, dünn, braune glatte Haare und einen Schnauzer gehabt haben. Es gab auch mehrere Phantombilder, die jedoch zu keinem Ergebnis führten. Wer kann die Männer beschreiben? Mit wem hat sich Sonja Ady an dem Abend unterhalten? Hat jemand Kurt-Werner Wichmann oder seinen Bruder einmal im „ta-töff“ gesehen?
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